Leitfaden

Was sollen Jugendliche aus ihrer Konfi-Zeit mitnehmen?

Motive der Konfirmation und Ziele der Konfirmandenarbeit

Die Lebensordnung der EKHN (RS 100) hat im Jahre 2013 auch die Regelungen und Vorgaben für die Konfirmation und die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden neu formuliert. Zur Orientierung beschreibt sie vier verschiedene Motive der Konfir­mation, die im Laufe ihrer Geschichte an sie „heran­gewachsen“ sind. 

Als Motive werden genannt:

  • Stärkung durch den Heiligen Geist 
  • Feier des Abendmahls und Gemeindeintegration 
  • Bekenntnis zur Taufe und zum eigenem Glauben 
  • Übergangsritual am Ende der Kindheit zum religionsmündigen Erwachsenen hin

Diese Motive sind zwar geschichtlich entstanden, haben sich aber von ihren historischen Wurzeln gelöst und finden sich heute noch in jedem Konfirmationsgottesdienst in unterschiedlicher Gewichtung. Das Stärkungsmotiv aus der alten Tradition der Firmung wird am deutlichsten in der Segenshandlung. Der Integrationsgedanke zeigt sich in der inhaltlichen Zusammengehörigkeit von Abendmahl und Konfirmation, eine Nachwirkung des Neuansatzes der Reformation. Die Konfirmation enthält auch ein Element der Antwort der Konfir­mandinnen und Konfirmanden (Bekenntnis oder Versprechen), das im Pietismus wichtig wurde. In der Aufklärungszeit trat die Verleihung von kirchlichen Rechten an das mündige Gemeindeglied hinzu, das vom Kirchenvorstand begrüßt und in die Nachfolge eingeladen wird.

Diese Motive lassen sich nicht beliebig ersetzen oder streichen und führen dazu, dass die Konfirmation mehrdeutig ist. Eine Schwerpunktsetzung vollzieht fast jede Gemeinde bzw. jede Pfarrerin oder jeder Pfarrer. Extreme Einseitigkeiten haben sich dabei nicht bewährt, weil letztlich der Zusammenhalt der Motive die Stärke des Konfirmationsgottesdienstes und damit auch der Konfi-Zeit ausmacht. 

Um die Konfi-Zeit neu und bewusst zu gestalten, ist es hilfreich, sie von ihrem Ziel „Konfirmations­gottesdienst“ her zu betrachten. Die Konfi-Zeit soll die Konfirmandinnen und Konfirmanden auf die Konfirmation und die damit verbundenen Intentionen vorbereiten. Den vier Grundmotiven der Konfirmation entsprechen vier Erfahrungsfelder, in denen die Ziele eingebettet sind, die beschreiben, was Jugendliche aus ihrer Konfi-Zeit mitnehmen wollen. 

Diese vier Erfahrungsfelder sind: 

  • Ich werde gestärkt durch Gott
  • Ich bin Teil der Gemeinde 
  • Ich sage „Ja" zum Glauben und zu meiner Taufe 
  • Ich werde erwachsen

Es gibt innerhalb dieser Erfahrungsfelder sowohl überprüfbare Ziele als auch solche, deren Erreichung geistlich unverfügbar ist. Die Ziele nehmen den seit 20 Jahren üblichen Perspektivwechsel in der Konfirmandenarbeit ernst. Sie sind aus dem Blickwinkel der Konfirmandinnen und Konfirmanden formuliert, um deren Mündigkeit und Interessen als Subjekte ihres eigenen Lernens wertzuschätzen. Dies kann auf den ersten Blick irritieren, soll aber anregen und herausfordernd wirken. Konfirmanden sollen aktiv und mitbestimmend auf dem Weg ihres Glaubens unterwegs sein.

Kirchenvorstände tragen gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern und den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Gemeinden die Verantwortung für die Konfirmandenarbeit. Ihre Aufgabe ist es, die Motive und Ziele wahrzunehmen, sie zu diskutieren und eine Schwerpunktsetzung je nach Gemeindekonzept zu vollziehen. Dies ermöglicht eine möglichst passgenaue Konfirmandenarbeit mit eigenem Profil. Um die Ziele der Konfirmandenarbeit in der Gemeinde zu finden, lohnt es sich, die Perspektive der Jugendlichen einzunehmen: 

„Was ich aus meiner Konfi-Zeit mitnehmen will“: